Flächenverbrauch

Damit Bayern Heimat bliebt“ – Volksbegehren gegen die Betonflut und den Flächenverbrauch hat die erste Hürde erfolgreich genommen, mehr als 46.000 Unterschriften sind gesammelt worden.

Ich freue mich sehr über diesen starken Rückhalt in der Bevölkerung, es zeigt wie wichtig den Menschen der Erhalt unserer bayerischen Natur und Kulturlandschaft ist. In ganz Bayern verschwinden jeden Tag 13 Hektar Land unter Asphalt und Beton. Das entspricht jährlich einer Fläche so groß wie der Ammersee. Die ungebremste Versiegelung und Verdichtung des Bodens zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen, führt zur Verödung der Ortszentren, verstärkt die Hochwassergefahr, vernichtet Acker- und Grünland. Genau deshalb brauchen wir eine verbindliche Höchstgrenze für den ausufernden Flächenfraß. Ein Verbrauch von nicht mehr als fünf Hektar Fläche ist genug und lässt trotzdem genügend Raum für den Wohnungsbau und sorgt bei Ansiedlungen von neuen Unternehmen für einen sparsamen Umgang mit Grund und Boden.

Sharepic zum Volksbegehren: Betonflut eindämmen!

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Was genau ist Flächenverbrauch bzw. Flächenfraß und wieso ist er problematisch?

Flächenverbrauch bezeichnet das Verwandeln von natürlichen Flächen wie Felder, Wiesen oder Wäldern in betonierte Flächen, die für Gewerbegebiete, Parkflächen oder Straßen genutzt werden. Zum Flächenverbrauch zählt auch die Nichtnutzung von leerstehenden Gebäuden oder nichtgenutzten Gewerbeflächen. Anstatt die schon bestehenden Flächen oder Gebäude zu nutzen, werden Neubaugebiete oder neue Gewerbegebiete gebaut.

Flächenfraß ist ein großes Problem für die Artenvielfalt. Verschwinden die natürlichen Lebensräume von Tieren oder Pflanzen (z.B. Felder oder Wälder) unter einer Betondecke, verschwinden die Tiere und Pflanzen mit ihnen. Der sowieso schon dramatische Artenschwund vor allem bei Insekten und Vögeln wird so weiter verstärkt.

Flächenfraß ist ein großes Problem für die Umwelt. In natürlichen Böden, wie in Wäldern oder auf Wiesen, versickert Regenwasser und fließt nur nach und nach in Bäche und Flüsse. Nicht so auf durch Beton und Asphalt versiegelten Flächen. Von diesen Flächen, die das Wasser nicht aufnehmen, fließt das Wasser sofort in Bäche und Flüsse. Bei starken Regenfällen kommt es zu Überschwemmungen, da die Flüsse und Bäche die großen Wassermengen nicht auf einmal aufnehmen können.

Flächenfraß ist ein Problem für die Landwirtschaft. Die neuen Gewerbegebiete und Straßen entstehen oft dort, wo früher Acker- und Weideflächen waren. Flächen, die früher für den landwirtschaftlichen Anbau genutzt wurden, werden so verdrängt.

Flächenfraß ist ein Problem für viele Menschen, vor allem für die, die in kleineren Orten leben. Wenn fernab von den eigentlichen Ortskernen Gewerbegebiete und Einkaufszentren entstehen, müssen oft kleine Geschäfte sowie Bäcker und Metzger in den Ortszentren schließen, da sie der großen Konkurrenz außerhalb des Ortes nicht mehr standhalten können. Ortszentren veröden und Menschen, die über kein Auto verfügen um die Einkaufszentren zu erreichen, sind abgeschnitten.

Flächenfraß ist ein großes Problem in Bayern. Bayern hat den höchsten Wert an Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) aller Bundesländer und ist für rund die Hälfte der jährlichen bundesweiten Bodenversiegelung verantwortlich.

Parkplatz in Wunsiedel mit Plakat "Autos sind unsere Welt". (Foto: Robert Schlaug)

Parkplatz in Wunsiedel mit Plakat „Autos sind unsere Welt“. (Foto: Robert Schlaug)

Oft taucht die Frage auf, ob es denn wirklich sinnvoll ist, den Flächenverbrauch auf fünf Hektar pro Tag einzuschränken, wenn doch gleichzeitig die Nachfrage nach Wohnraum und Gewerbegebieten für Arbeitsplätze immer weiter steigt? Wird der Wohnungsbau und die Entwicklung im ländlichen Raum durch eine Begrenzung des Flächenverbrauchs nicht gebremst? Da sage ich ganz klar: Nein, in Bayern gibt es keinen Mangel an Gewerbegebieten, sondern eher einen Überfluss. Mindestens 11.000 Hektar Gewerbefläche sind in Bayern ungenutzt, da es hierfür keine Meldepflicht gibt, ist die Dunkelziffer wahrscheinlich um einiges höher. Ein sinnvollerer Weg wäre es also, diese schon bestehenden Flächen zu nutzen, statt der Natur noch mehr Gebiete zu rauben und sie in graue Betonflächen zu verwandeln.

Die von uns Grünen zusammen mit unseren Bündnispartnern des Volksbegehrens geforderte Begrenzung des Flächenverbrauchs auf fünf Hektar pro Tag lässt außerdem noch genug Raum für den Wohnungsbau. Geht man von Zahlen in Ballungsräumen aus, werden pro Hektar rund 130 Wohnungen gebaut. Wird nur die Hälfte des angestrebten Grenzwertes von 5 Hektar, also 2,5 Hektar, für den Bau neuer Wohnflächen verwendet, können in Zukunft noch fast 120.000 Wohnungen jährlich gebaut werden. 2016 wurden in Bayern zum Vergleich nur rund 54.000 Wohnungen neu gebaut. Zu dieser Möglichkeit des Neubaus kommt die Möglichkeit, leerstehende Gebäude zu nutzen, freie Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwidmen, oder bestehende Gebäude aufzustocken.

Leerstehende Geschäfte. (Fotograf: Robert Schlaug)

Leerstehende Geschäfte. (Fotograf: Robert Schlaug)

Was fordern die Grünen gegen den „Flächenfraß“?

Wir Grünen fordern deshalb: „Weniger Gewerbe auf der Grünen Wiese, mehr Ortsinnenentwicklung und vor allem eine klare Höchstgrenze für die Umwandlung unserer Natur und Kulturlandschaft in Verkehrsfläche und Baugebiete.“ (Ludwig Hartmann)

Was ist der Stand der Dinge und wie geht es mit dem Volksbegehren nun weiter?

Die erste Hürde ist geschafft, 25.000 Unterschriften waren nötig, 46.000 konnten wir einreichen. In einem vom Innenministerium nun festzulegenden 14 Tage dauernden Eintragungszeitraum müssen sich zehn Prozent aller Wahlberechtigten in Bayern (knapp eine Millionen Menschen) in dem für sie zuständigen Rathaus in ausliegende Listen eintragen.

Ist dieser Schritt erfolgreich, muss sich der Landtag mit dem Gesetz befassen. Lehnt der Landtag das Gesetz ab, kommt es zum Volksentscheid, bei dem die bayerischen Wahlberechtigten direkt über das Gesetz abstimmen.