Bericht aus Amerika

Seit neun Jahren war ich im Februar 2015 zum ersten Mal wieder auf dem Weg in die USA – eingeladen vom Davidson College North Carolina, als MdL, zusammen mit MdB Ekin Deligöz. Es erwartete uns eine Woche Diskussionen über TTIP, Ökologie, Ökonomie, Europa, Währungsunion und viele weitere spannende Themenkomplexe.

Nach einem kurzen Abstecher nach St. Paul wurden wir am Davidson College herzlich empfangen. Abends bin ich noch über „meinen“ Campus spaziert, fünfundzwanzig Jahre danach, es hat sich vieles verändert, neue Gebäude sind hinzugekommen, etwa ein Drittel mehr Studierende als früher, aber vieles ist auch gleich geblieben.

Obwohl Amerika doch faktisch nur aus Einwanderern besteht, sind Rassismus und Diskriminierung leider immer noch fast täglich ein Thema. Wir haben intensiv mit einer StudentInnengruppe diskutiert, die sich aktiv für Diversity einsetzt, die z.B. bei der Berufung von neuen Lehrkräften ihr Votum mit einbringt. Und im Laufe der Diskussion kamen wir eben auch auf ihre Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus, die sie im Laufe ihres Lebens leider schon oft machen mussten. Bis die „gläserne Decke“, an die diskriminierte Gruppen immer wieder stoßen, endlich eingerissen ist, dauert es wahrscheinlich noch lange.

Wir verbrachten einen Tag in Redlair Forest Preserve Conservatory, wo es dem früheren Diplomaten Haywood Redlair im Laufe seines halben Lebens gelang, 450 ha Land und seltene Bäume zu schützen, und zu verhindern, dass hier Bauland entsteht. Eine Diskussion, die mich oft auch an die Steigerwald-Diskussion erinnerte. Nachdem Haywood Redlair und seine Frau Sabine viele Jahre lang in verschiedenen Ländern Afrikas gelebt haben, haben wir auch lange über Flüchtlinge, Einwanderung, Religion und vieles mehr geredet. Der Abend dort hätte noch lange dauern können. Genügend Gesprächsstoff hatten wir.

„Welche Position wird die deutsche Regierung vertreten gegenüber Putin und was sagen die Grünen dazu? Haben die Grünen ihre Kernthemen erhalten? Ist Wirtschaftspolitik für Sie ein wichtiges Thema? Wie geht es weiter mit Griechenland?“ Viele Fragen prasselten auf uns ein, als wir in der „Western European Politics Class“ von Prof. Bes Ceka und in der „International Politics Class“ von Prof. Lou Ortmayer und beim Mittagessen mit einer Gruppe Studierenden diskutierten. Das hat Spaß gemacht.

45.000 Deutsche leben in Charlotte und Umgebung, 200 deutsche Firmen haben hier ihren nordamerikanischen Sitz und Ekin Deligöz und ich trafen uns mit etwa 30 von ihnen im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung organisiert durch den American Council on Germany unter Leitung des Honorarkonsuls Klaus E. Becker und Attorney at Law Albert E. Guanieri. Die Themen waren bei dieser Runde mit Wirtschaftsvertretern natürlich wirtschaftspolitisch ausgerichtet: Energiepolitik, Handelspolitik, Europäische Wirtschafts- und Währungsunion, Immigration, Charlie Hebdo und Dänemark. Danach kam noch ein richtig schönes Abendessen in kleiner Runde. Trotz zum Teil sehr unterschiedlicher politischer Positionen. Und überraschenderweise: Beim Thema Tierwohl herrschte Einigkeit!

Da war es wieder, dieses „Davidson-Gefühl“. Zu spüren, das man in einer Gemeinschaft lernt, voneinander, übereinander und miteinander, auf Augenhöhe. Mit Studenten und Professoren beim Abendessen zu sitzen und dieses tiefe und echte Interesse an Kommunikation zu sehen, den Wunsch, gemeinsam Lösungen zu finden. Mit Konstantin, im Rollstuhl, Hamburger, der jetzt in New York lebt, in Davidson studiert, über Barrierefreiheit zu diskutieren. Mit einer Studentin, die in Neuseeland, Hongkong, Shanghai und USA studiert hat, zu sprechen. Mit Professoren, die ein unglaublich breites Wissen haben und „teaching“ für wichtiger halten als Forschung. Allen gemeinsam ist, dass sie sich mit einer Intensität der gemeinsamen Bildung, aber auch dem gemeinsamen miteinander Leben und Erleben widmen, wie ich es von deutschen Universitäten nicht kenne. Vielen Dank, Scott, Cathy, Lou, Bes, Konstantin, students, Professors – das war wie „homecoming“!

Der – leider viel zu kurze – Aufenthalt in Amerika steckte voller interessanter, abwechslungsreicher und bereichernder Termine und ich bin sehr glücklich darüber, diese spannende Zeit verbracht haben zu dürfen!

Kerstin Celina mit einer Studierendenklasse des Davidson Colleges. Kerstin Celina mit Lou Ortmeyer, Beska Ceka, Scott Denham und Ekin Deligöz. Kerstin Celina mit Ekin Deligöz in einer amerikanischen Studierendenklasse. Kerstin Celina mit Ekin Deligöz in einer amerikanischen Studierendenklasse.

 

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