Kerstin Celina und Hermann Gehr mit drei Bewohnerinnen der Außenwohngruppe im Gespräch. Fotograf: Christof Mock.

Pressemitteilung: Inklusion ermöglichen durch besseren ÖPNV

GRÜNE Landtagsabgeordnete Celina besucht Außenwohngruppe in Hettstadt

„Eine der Grundvoraussetzungen für Inklusion ist der barrierefreie und gute ÖPNV, mit häufiger Taktung und Verbindungen auch zwischen den Landkreisgemeinden“ stellte Kerstin Celina, die bei den GRÜNEN im Bayerischen Landtag für das Thema ‚Inklusion‘ zuständig ist, bei ihrem Besuch in einer Außenwohngruppe des St. Josef-Stifts in Hettstadt fest. „Menschen mit Einschränkungen, egal ob es nun körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen sind, haben manchmal keine Wahl zwischen Auto, Fahrrad oder Bus, sie sind einfach auf den Bus angewiesen, und wenn der ÖPNV nicht gut ausgebaut ist, dann scheitert Teilhabe immer noch viel zu oft“, so Celina.

Mehr als zehn Jahre nach dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention sind Außenwohngruppen und Außenarbeitsplätze ein Stück normaler geworden, freut sich Celina. Bei einer der Außenwohngruppen des St. Josef Stifts verbringt sie einen Nachmittag mit den Bewohnern, um herauszufinden, wo deren konkrete Probleme im Alltag liegen. In dem schönen Haus in der Nähe einer Bushaltestelle in Hettstadt wohnen sieben Menschen mit kognitiven oder körperlichen Einschränkungen zusammen mit ihren Betreuern. „Hier ist immer was los“ meint Christof Mock, „es ist wie in einer Großfamilie“.

Celina selbst kam mit dem Bus, naßgeregnet und mit einer Verspätung von etwa 30 Minuten: „Am Freitag nachmittag steht der Bus mit allen anderen Fahrzeugen im Stau, und die Haltestelle, an der der Bus abfuhr, war nicht überdacht, das kenne ich schon“, kommentierte sie achselzuckend. Damit war auch gleich das erste Thema für das gemeinsame Gespräch gesetzt: Wie kommen die Bewohner des Hauses zu ihren Arbeitsplätzen? Hermann Gehr, Gruppenleiter der Außenwohngruppe, berichtete: „Einige unserer Bewohner*innen fahren regelmäßig nach Eisingen und steigen in Höchberg um. Das geht im Großen und Ganzen gut, manchmal sind die Wartezeiten an den Umstiegshaltestellen aber recht lange, und gerade bei schlechtem Wetter ist das unangenehm“. Die Bewohner könnten auch mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Eisingen fahren wenn es nicht so umständlich wäre z.B von Hettstadt nach Würzburg in die Bismarkstr., umsteigen und dann über Höchberg nach Eisingen. Fahrten direkt über Höchberg würden vieles vereinfachen. Für Hettstadt wünscht sich Gehr, der dort auch für die SPD/Wählergemeinschaft im Gemeinderat aktiv ist, daher einen 20-Minuten-Takt in die Stadt. „Mit einem 20-Minuten-Takt könnten sowohl Umstiege in andere Buslinien erleichtert werden als auch der ÖPNV in die Stadt für alle attraktiv werden. Auch Zeitkarten für den ganzen Landkreis wäre schön. z.B.: 5 Personen / 24 Std. Nutzung von Bussen und Straßenbahnen.

Für Menschen mit einer Behinderung ist es auch oft nicht einfach, Informationen über Verspätungen etc. zu bekommen. Gehr und Celina waren sich einig, dass zu den geschriebenen Informationen, z.B. am Bahnhof, auch Informationen kommen sollten, die man abhören kann. „In Bayern geht das Kultusministerium davon aus, dass etwa 700.000 Menschen nicht lesen und schreiben können, in ganz Deutschland sind es mehr als zehnmal soviel, und die darüber hinausgehende Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch“, so Celina. Auch diesen Menschen ist es oft nicht möglich, ebenso wie Menschen mit Sehbehinderungen und kognitiven Einschränkungen, Fahrpläne zu lesen und geschriebene Informationen zu erhalten und zu verarbeiten. „Hier müsste für Inklusion mehr getan werden“, so Gehr, „den Mehrwert haben dann auch viele Menschen, die gar nicht im engen Fokus der Inklusionsdebatte stehen“.

Um einen besseren ÖPNV für alle umsetzen zu können, muss man auch diejenigen überzeugen, die keine Monats- oder Jahreskarte haben. „Das geht letztendlich nur über den Preis und die Bequemlichkeit“ sagt Celina. „Ich weiß, dass es eine Menge Geld kostet, gute Verbindungen zu einem attraktiven Umsteigepreis bereitzustellen, aber in der jetzigen Situation bleiben die Kosten einseitig bei denen hängen, die an den Einfahrtstrassen in die Stadt wohnen, die täglich Lärm, Stau und dreckige Luft vor ihrer Wohnung oder ihrem Arbeitsplatz ertragen müssen, die statt parkender Autos lieber Platz für Fußgänger, kleine Elektrofahrzeuge und Bäume hätten“. Die sozialpolitische Sprecherin der GRÜNEN betont: „Klimaschutz durch Umstieg auf ÖPNV ist auch eine soziale Frage, denn gerade die, die die gesundheitlich belastenden Kosten des täglichen Auto-Wahnsinns tragen, haben oft keine Möglichkeit umzuziehen oder anderswo zu arbeiten“.

Ein guter ÖPNV führt zu mehr Lebensqualität für alle, so Gehr. „Bei bestimmten Buslinien im Maintal können Fahrräder im Anhänger mitgenommen werden. Würzburg liegt aber im Kessel, von vielen Umlandgemeinden aus müssen auf dem Rückweg mit dem Fahrrad Steigungen in Kauf genommen werden. In der warmen Jahreszeit zumindest abends das Fahrrad im Bus oder Anhänger mit zurücknehmen zu können, würde die Attraktivität des ÖPNV ebenfalls erhöhen. Und dann wieder käme es zu einer höheren Nutzung des ÖPNV, der einen weiteren Ausbau rechtfertigen würde und der gerade unseren Wohngruppen-Bewohnern, die auf den ÖPNV angewiesen sind zugute käme, und deren Teilhabe am normalen Leben erleichtern würde“.

„Auch Menschen mit Behinderungen wollen wählen, wie sie leben, und wir alle haben Vorteile davon, wenn wir Rücksicht nehmen und unser Zusammenleben inklusiv gestalten“, fasst Celina zusammen. Für die Bewohnerinnen Melanie, Victoria und Bettina war nach dem Besuch der Landtagsabgeordneten jedenfalls klar, wo die Reise hingehen soll: Ein Ausflug nach München in den Landtag steht auf dem Programm.

Kerstin Celina und Hermann Gehr mit drei Bewohnerinnen der Außenwohngruppe im Gespräch. Fotograf: Christof Mock.

Kerstin Celina und Hermann Gehr mit drei Bewohnerinnen der Außenwohngruppe im Gespräch. Fotograf: Christof Mock.

Verwandte Artikel