Ich fordere mehr Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit!
Mentale Gesundheit – darum ging es am vergangenen Montagabend im Café Mitte in Weiden, wo sich Interessierte, Fachleute und Betroffene zu einem offenen Austausch trafen. Gemeinsam mit meiner Landtagskollegin Laura Weber hatte ich zu diesem Gesprächsabend eingeladen, der unter dem Motto „Psychische Gesundheit geht uns alle an“ stand. Schon zu Beginn war spürbar, wie sehr das Thema die Menschen bewegt. Eltern, junge Menschen, Angehörige – sie alle kennen Situationen, in denen die seelische Belastung zu groß wird und die mentale Gesundheit darunter leidet. Und trotzdem fällt es vielen schwer, offen darüber zu sprechen. Der Abend hat deutlich gemacht, wie wichtig Gesprächsräume sind – Orte, an denen man zuhören, verstehen und miteinander ins Gespräch kommen kann.
Viele Perspektiven, ein gemeinsames Anliegen
Unsere Gäste Dominique de Marné, Autorin, Mental Health Advocate und Gründerin der „Mental Health Crowd“, Theo Margeth, Klinikseelsorger am Bezirksklinikum Wöllershof, und Dr. Christian Rexroth, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden, gaben Einblicke aus ihren jeweiligen Blickwinkeln – fachlich, persönlich und gesellschaftlich.
Zur aktuellen Lage sprach Dominique de Marné von einer „katastrophalen Situation“ und kritisierte den anhaltenden gesellschaftlichen Leistungsdruck. Sie betonte zudem, dass mentale Gesundheit in Deutschland noch zu oft ausschließlich mit psychischer Erkrankung gleichgesetzt werde. Auch ich habe an diesem Abend darauf hingewiesen, dass in unserer Gesellschaft noch immer ein Unterschied zwischen körperlicher und psychischer Erkrankung gemacht wird – obwohl beide gleichermaßen ernst genommen werden müssen.
Theo Margeth sprach über das wachsende Gefühl von Einsamkeit bei vielen Menschen und die Bedeutung, Angehörige stärker in Behandlungsprozesse einzubeziehen. Dr. Christian Rexroth hob hervor, wie wichtig und unersetzbar die Fachkräfte in der Region sind, und sagte dazu: „Wir haben so unfassbar viele motivierte, engagierte Leute, die so viel wichtige Arbeit leisten und ohne die wir das alles gar nicht stemmen könnten.“ Ein enorm wichtiger Punkt, der viel Anerkennung fand.

Das Schulsystem, Kinder und der Umgang mit Druck
Besonders eindrücklich war die Diskussion über psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Laura Weber machte darauf aufmerksam, dass gerade kreative Fächer wie Kunst und Sport, die Ausgleich fördern, oft als erstes gekürzt werden. Sie betonte, dass es gerade nach den Jahren der Corona-Pandemie wichtig sei, diese Bereiche nicht weiter einzuschränken, sondern zu stärken.
Ich teile diese Einschätzung. Kinder und Jugendliche brauchen Orte, an denen sie sich ausprobieren können – frei von Leistungsdruck und Bewertung. Solche Freiräume werden jedoch immer seltener. Dabei geht es nicht nur um Bildung, sondern auch um seelische Gesundheit und die Chance, innere Stärke zu entwickeln.
An diesem Abend wurde mir einmal mehr bewusst, dass psychische Gesundheit keine private Angelegenheit ist. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe – und sie beginnt damit, dass wir uns gegenseitig zuhören, uns ernst nehmen und ins Gespräch kommen.
Zuhören, das verbindet
Was diesen Abend besonders gemacht hat, war die Offenheit der Teilnehmenden. Viele sprachen über eigene Erfahrungen, über Stress, Überforderung oder Ängste – und über das Bedürfnis nach mehr Verständnis füreinander. Eine Metapher von Dominique de Marné, die sowohl mir als auch sicherlich vielen Teilnehmenden im Gedächtnis bleiben wird, war ihr Appell, sich immer wieder selbst – aber auch gegenseitig – zu fragen, wie es um den eigenen „Akku“ steht. Sie meint: „Die meisten Menschen kümmern sich mehr um den Akku ihres Smartphones als um ihren eigenen.“ Ein einfaches Bild, das genau trifft, worum es geht: sich selbst und andere im Blick zu behalten.
Ein Abend, der nachwirkt
Am Ende blieb das Gefühl, dass dieser Austausch nicht nur gutgetan, sondern auch etwas in Bewegung gesetzt hat. Die vielen Perspektiven, das ehrliche Zuhören und die Offenheit haben gezeigt, wie wichtig solche Gesprächsräume sind – gerade im ländlichen Raum, wo sie oft fehlen. Ich bin überzeugt: Wenn wir über mentale Gesundheit reden, schaffen wir Bewusstsein, Verständnis und Gemeinschaft. Denn: psychische Gesundheit betrifft uns alle!
