Offener Brief an Innenminister Herrmann

Familie Zafari aus Kitzingen – herzlos abgeschoben nach Italien. In zwei „Offenen Briefen“ an den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann haben Patrick Friedl und ich uns für einen Aufenthalt zum Zweck der Ausbildung aufgrund der außergewöhnlichen Integrationsleistungen der Geschwister Roya Zafari (19) und Omid Zafari(24) eingesetzt. Die Geschwister wohnten in Kitzingen und hätten nach Abschluss ihrer Ausbildung als Fachkräfte in Bayern arbeiten können. Die beiden reisten zusammen mit ihren Eltern – allesamt afghanische Staatsangehörige – Anfang März 2024 von Italien aus nach Deutschland ein und beantragten Asyl. Die Asylanträge wurden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit der Begründung abgelehnt, dass die gesamte Familie bereits internationalen Schutz in Italien zuerkannt bekommen hatten – wohlwissend, dass die Perspektiven für Schutzberechtigte in Italien katastrophal sind. Die Familie Zafari wurde in der GU Kitzingen untergebracht. Beide Geschwister haben sich in kürzester Zeit Sprachkenntnisse auf Niveau B1/B2 angeeignet, waren sehr gut integriert und hatten einen Ausbildungsvertrag als medizinische Fachangestellte bzw. als Elektroniker in Kitzingen, waren aber als in Italien anerkannte Flüchtlinge vollziehbar ausreisepflichtig.

Nach der überraschenden Abschiebung der Eltern nach Italien – beide Analphabet*innen und weder des Italienischen noch des Deutschen mächtig – sind die Geschwister freiwillig ausgereist, um die Familie mit Aushilfstätigkeiten über Wasser zu halten – trotz langfristig bester Perspektiven in Deutschland! Familie bedeutet in Afghanistan alles, umso mehr im Exil. Die beiden Geschwister müssen zum dritten Mal mit erheblicher Anstrengung und unter ungünstigsten Bedingungen einen neuen Lebensweg einschlagen, da sie als anerkannte Flüchtlinge aus dem staatlichen Schutzsystem in Italien herausgefallen sind und keine finanziellen Leistungen erwarten können. 

Die Rechtsmittel sind ausgeschöpft: Das Prinzip der Freizügigkeit in Europa gilt nur für EU-Staatsangehörige. Sie können per Visumsverfahren zum Zweck der Ausbildung wieder einreisen, diese Option hat Innenminister Joachim Herrmann ausdrücklich in seiner ausführlichen Antwort offengehalten und von einer Wiedereinreisesperre abgesehen.

Durch den Fall der Familie Zafari drängt sich mir der Eindruck auf, dass vor allem die Abschiebungen derer forciert werden, die gut greifbar sind, die sich nicht wehren – oder sich nicht wehren können. Ganz im Sinne: endlich bessere Abschiebezahlen präsentieren zu können. Doch dabei trifft es allzu oft die Falschen. Das ist nicht nur menschlich unzumutbar sondern auch ökonomisch betrachtet angesichts des Fachkräftemangels zum Schaden Deutschlands.  Es ist eine Politik der sozialen Kälte, die Deutschland nur ärmer macht und definitiv nicht sicherer macht.

Die beiden Schreiben an den Innenminister und die Antwort des Innenministers finden Sie hier:

Auch die Main-Post hat ausführliche Berichte zu dem Fall geschrieben: