Pressemitteilung: Trockenschäden im Wald in Main-Spessart besorgniserregend

Grüne Landtagsabgeordnete Kerstin Celina fragte bei der Staatsregierung nach

MdL Celina erkundigt sich zum Thema Waldschäden im Landkreis Main-Spessart und am Untermain.

Die Antwort gliedert sich in zwei Teile: der erste Teil betrifft die aktuelle Waldschutzsituation in der Region Main-Spessart und am Untermain:

„Seit dem Trockenjahr 2018 treten in der bayerischen Region Untermain und dem Landkreis Mainspessart verstärkt Schäden an den Wäldern auf. In Unterfranken herrscht seit jeher ein wärmeres und trockeneres Klima als in den übrigen Teilen Bayerns. Folglich ist der Wald dort vom Klimawandel besonders betroffen und dessen Auswirkungen zeigen sich hier am schnellsten und am deutlichsten.

Die geschätzte Schadholzmenge für die Region Untermain und den Landkreis Mainspessart (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Karlstadt) beläuft sich auf rund 145.000 Festmeter (Fm). Mehr als die Hälfte (rund 78.000 Fm) ist durch Borkenkäferbefall abgestorbene Fichte“.

Der zweite Teil der Antwort betrifft den Rückgang staatlicher Betriebsleitung und -ausführung (BL/BA) im Kommunalwald:

„Der Landtagsbeschluss „Rückgang staatlicher Betriebsleitung und -ausführung verträglich gestalten“ vom 14.02.2017 (Drucksache 17/15445) sieht vor, dass alle Kommunen mit weniger als 200 ha Wald weiter die staatliche Beförsterung in Anspruch nehmen können. Auch bei Kommunen über 200 ha entfällt die staatliche Beförsterung nicht automatisch. Hier muss geprüft werden, ob besondere Bewirtschaftungserschwernisse vorliegen, die eine staatliche Beförsterung auch künftig rechtfertigen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind ein solches Bewirtschaftungserschwernis und werden selbstverständlich in die Prüfung einbezogen“.

Celina: „Eine 80 Jahre alte Fichte, etwa 30 m hoch, hat ein Volumen von ca. 1,6 m³. Das heißt, wenn man sich die Schadholzfestmetermenge von 145.000 m³ im Wald im Untermain und Mainspessart bildlich vorstellen will, entspricht das etwa 90.000 Fichten, 80 Jahre alt, mit 30 m Höhe. Etwa 50.000 Bäume davon sind durch den Borkenkäfer geschädigt. Der Borkenkäfer fliegt aber noch sechs bis acht Wochen lang, die Zahl jetzt ist eine Momentaufnahme und kann in der Zeit noch stark steigen.“

Patrick Friedl, naturschutzpolitischer Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion, sagt: „Diese Zahlen machen unmissverständlich klar, dass der Erhalt unserer Wälder, gerade im besonders trockenen, von Klimawandel betroffenen Unterfranken, besonderer Maßnahmen bedarf.“ Der Meinung ist auch Celina: „Das kann nur mit einem klaren Umsteuern in der staatlichen Forstpolitik gelingen, denn seit der Forstreform 2004 wird an eigenem, fachlich sehr gut ausgebildetem Forstpersonal massiv gespart. Damals wurde bei der Forstreform die Bewirtschaftung nach und nach von forstlichen Selbsthilfeeinrichtungen wie Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen oder privaten Unternehmern übernommen. Wald erhalten ist aber Staatsaufgabe und wir brauchen – gerade in der aktuellen Situation – eine zahlenmäßig starke, gut ausgestattete Forstverwaltung. Der Staat hat sich in den letzten Jahren faktisch aus der Bewirtschaftung der Kommunalwälder zurückgezogen, den Privatwald haben ja immer die jeweiligen Eigentümer selbst bewirtschaftet. Wir als GRÜNE sind der Meinung: Die Forstverwaltung darf sich hier nicht zurückziehen!“

In ihrer Antwort auf die Anfrage sagt die Staatsregierung, “alle Kommunen mit weniger als 200 ha Wald (können) weiter die staatliche Beförsterung in Anspruch nehmen“ und wenn besondere Bewirtschaftungserschwernisse vorliegen, können auch Kommunen mit größeren eine staatliche Beförsterung auch künftig rechtfertigen“. 

Paul Knoblach, der die unterfränkischen GRÜNEN im Ausschuss für Landwirtschaft und Forsten vertritt, sagt: „Genau dafür brauchen wir aber einen sofortigen Stopp des Personalabbaus, der noch immer wie in der damaligen Forstreform läuft. Im Gegenteil, wir brauchen wieder deutlich mehr Förster, um auch für unsere Kommunalwälder staatliche Beförsterung bereitstellen zu können“.

Friedl meint: „Wir brauchen auch sehr schnell eine konkrete Vereinbarung zu unterfränkischen Großschutzgebieten, wie sie im Rahmen des „Runden Tisches zum Artenschutz“ festgelegt wurde und gestern durch das Begleitgesetz zum Artenschutz mit Unterstützung der GRÜNEN im Landtag beschlossen wurde. Wir fordern die Bayerische Staatsregierung auf, diese umgehend auszuweisen und jede wirtschaftliche Nutzung dort einzustellen, um unseren unterfränkischen Wäldern bestmöglichsten Schutz zu geben.“

 

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